Physik ist überall - aber der Physikunterricht ist nur bei relativ wenigen Schülerinnen und Schülern beliebt. Die von Schülern angeführten Begründungen sind sehr vielschichtig und oft emotional geprägt. Unumstritten ist, dass auch die Rahmenbedingungen für den Physikunterricht einen Anteil daran haben, dass Physik nicht ein beliebtes Schulfach ist. Mit relativ wenig Unterrichtszeit soll in großen Klassen physikalisches Denken und Argumentieren gelernt und geübt werden, wobei praktische Schülerübungen nur in einigen Jahrgangsstufen vorgesehen sind. Physik wird als ein schwieriges Fach angesehen, zu dem nur relativ wenige Schüler einen verstehenden Zugang finden.
Mit im Gang vor den Physikräumen ausgestellten Experimentierstationen wurde daher schon vor fast 10 Jahren am Hardenberg-Gymnasium begonnen, Schülern eine Auswahl von physikalischen Phänomenen unmittelbar, ungestört und spielerisch erfahrbar zu machen. Inzwischen sind 27 Stationen ständig im Gang ausgestellt. Für neue Stationen ist kein Platz mehr vorhanden. Viele weitere interessante physikalische Phänomene könnten - auch wegen möglicher Gefährdung der Benutzer - nicht an Experimentierstationen unbeaufsichtigt erfahrbar gemacht werden.
Mit der neuen Veranstaltung "Versuch der Woche" sollen deshalb Schülerinnen und Schülern weitere physikalische Phänomene vorgeführt werden, die insbesondere geeignet sind, Verbindungen zu vertrauten Situationen im Alltag zu schaffen, um diese besser zu verstehen. Darüber hinaus sollen auch spektakuläre physikalische Abläufe unterhaltsam demonstriert werden, damit Schülerinnen und Schüler Freude (auch Spaß!) an den Naturwissenschaften finden und vielleicht mit intellektuellem Vergnügen über das Beobachtete nachdenken. Es soll erkannt werden: Physik ist überall und kann überraschend und spannend sein.
Seit Anfang November 2002 findet die Veranstaltung jeden Dienstag in der ersten Pause in einem Physikraum statt. Der Themenbereich der jeweils geplanten Versuche wird durch Aushang am Treppenaufgang und auch an anderen Plätzen im Schulgebäude angekündigt. In der Regel beginnen die Experimente 5 Minuten nach Pausenbeginn, damit auch die Schüler teilnehmen können, die sich z. B. vom 4. Stock in das Erdgeschoss begeben müssen. Einige Minuten vor Pausenende wird die Veranstaltung beendet.
Die Veranstaltung ist primär ein Angebot für alle interessierten Schülerinnen und Schüler des Hardenberg-Gymnasiums. Wurden für die ersten Veranstaltungen noch Schüler auf dem Weg zum Pausenhof werbend zur Teilnahme eingeladen, hat sich inzwischen eine Gruppe von regelmäßig teilnehmenden Schülerinnen und Schülern gebildet, die vereinzelt rennend dem Physiksaal zustreben, damit sie die begehrten vorderen Plätze besetzen können. Bei besonders interessant erscheinenden Versuchsankündigungen reichen die Sitzplätze nicht mehr aus, der Raum ist überbelegt und die Tür bleibt offen, damit Schüler im Gang auch noch etwas mitbekommen können.
Die Veranstaltungen besuchen Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen. Besonders viele "Fans" kommen aus der Unterstufe, die noch keinen Physikunterricht haben.
Es kommen sogar Lehrer (meistens Referendare), die nicht Physik unterrichten.
Die Versuche werden überwiegend von den Studienreferendaren des Physikseminars und einigen Fachkolleginnen und -kollegen sorgfältig ausgewählt, vorbereitet und vorgeführt. Dabei wird besonders auf eine nachhaltige Wirkung bei den Schülern geachtet. Versuche, die einen besonderen Aufwand an Vorbereitungszeit, Geräten und Technik erfordern, können natürlich nicht vorgeführt werden. Dies muss Fernsehsendungen wie z. B. "knoff-hoff-Show" und "quarks" überlassen werden.
Wegen der zur Verfügung stehenden Zeit von wenigen Minuten kann bei der Erklärung der Phänomene nur sehr elementar auf den "harten" physikalischen Hintergrund eingegangen werden. Gerade dies ist jedoch besonders schwierig und erfordert viel Überlegungsarbeit und Kreativität.
Die positiven Reaktionen bei den Schülerinnen und Schülern auf das Projekt "Versuch der Woche" haben die Organisatoren motiviert, die Veranstaltung regelmäßig fortzusetzen. Folgende Weiterentwicklung ist denkbar:
Schüler planen eigene Versuche und führen diese selbstständig vor.
Versuche werden auch an anderen geeigneten Orten im Schulgebäude oder auch auf dem Schulhof vorgeführt.
Gelegentlich könnten auch Versuche nach Schulschluss in einem größeren Zeitrahmen präsentiert werden.
Erklärende Handzettel könnten zu einigen Versuchen erstellt und verteilt werden.